14. Glashaus-Waldlauf Sindelfingen

Gestern stand der erste Testlauf im Rahmen der Marathon-Vorbereitung auf dem Programm, ein 10-Kilometerlauf und ich musste bis Sindelfingen bei Stuttgart fahren, um den Steffny-Trainingsplan erfüllen zu können.

Ich war von Anfang an überraschend nervös, konnte gar nicht sagen, weshalb. Trotz meines Anfängerstatus war das nicht mein erster Wettkampf und wichtig war er auch nicht sonderlich. Das gesteckte Ziel, analog zum Trainingsplan, war locker zu bewältigen. Ich fühlte mich recht fit. Es konnte mir also nichts passieren. Dennoch war ich angespannt, lief mich ausgedehnt warm, dehnte und strechte, bis es surrte und kam dann ganz schön spät zum Startplatz, der innerhalb der Sporthalle Glaspalast lag. Ich musste mich recht hinten einreihen, das war ein Fehler.

Denn nachdem wir Lahmen endlich auch die Startlinie überquert hatten und wir eigentlich hätten Tempo aufnehmen müssen, sah ich mich eingekeilt in eine Masse gemütlich vor sich hintrottender Plattfußindianer und Schoschonen. Mit einem Wettkampf hatte das nichts zu tun, das war weit eher kollektives Warmlaufen.
Ich also den Klassiker unter allen Fehlern bei Wettkämpfen begangen: Im schnellst möglichen Tempo versucht, durch den Pulk und an ihm vorbei zu kommen. Da ging es im Zickzack zwischen wankenden und stampfenden Freizeit-Joggern in viel zu eng liegendem Sportdress hindurch, links und rechts vorbei durch matschige Grasnarben und mit jedem Meter pumpte ich meine Energiespeicher leer.

Als ich mich endlich freigerannt hatte und annahm, nun unter Gleichstarken laufen zu können, japste ich bereits deutlich hörbar, Seitenstechen hatte eingesetzt, ich hatte meinen Körper auf dem ersten Kilometer schon übersäuert, Glückwunsch!
Und dann kam der erste steile Anstieg … Und es sollten noch einige folgen!

Ich hatte die Rechnung ohne das Höhenprofil gemacht, denn die Strecke ging über 10 Kilometer stetig rauf und runter. Es wurde zur Tortur. Bereits ausgepowert, schon übersäuert, stetig mit Seitenstechen laufend, kämpfte ich mich Kilometer über Kilometer in Richtung Ziel. Dabei sagt einem doch jeder, der es besser weiß: Nie, aber auch wirklich nie zu schnell loslaufen!

Ab Kilometer 6 hatte ich einen ebenso hart Kämpfenden im Nacken. Immer, wenn es einmal wieder bergab ging, walzte er sich schnaubend und röchelnd näher, sein Atem wie Peitschenschläge in meinem Nacken. Mit seltsamer Lauftechnik schraubte er sich immer wieder einmal, sichtlich ums Überleben kämpfend, an mir vorbei. Immer, wenn wir Kopf an Kopf nebeneinander rannten, versuchte ich, ihn durch Aufsetzen eines stoischen Gesichtsausdrucks und möglichst ruhiger, regelmäßiger Atmung zu demütigen. „Alter, kämpfe, so viel Du willst, ich jogge hier ganz gemütlich und halte trotzdem Schritt.“ Immer, wenn er sich endlich an mir vorbei gearbeitet hatte und ich nun seinen rasselnden Atem, Ausdruck völliger Verausgabung, vor mir hörte, änderte sich das Höhenprofil wieder und es ging nach oben. In wenigen Schritten war ich an ihm vorbei. Leicht federnd, mit triumphierend leuchtenden Augen schob ich mich an ihm vorbei. Auf diese Weise demütigte ich den armen Laufkollegen bestimmt fünf Male. Im Ziel lag ich 30 Sekunden vor ihm.

Aber wie als Strafe wurde auch ich Opfer übelster sportlicher Demütigung . Denn beinahe die gesamte Strecke liefen vor mir drei lustige Gesell_innen, die mir als Zugläufer dienten, wobei ich nur mit Mühe ihrem Tempo Schritt halten konnte. Das Trio bestand aus einem coolen Vollbartträger mit Basecap und dünnem wie langen Langstreckenkörper, einer schweigsamen jungen Frau und einem seltsam watschelnden Meckihaar-Träger. Und während ich 92% des gesamten Laufs im roten Bereich rannte, hatten das Trio einen Heidenspaß bei diesem „lockeren Auslauf“. Sie witzelten, zogen sich gegenseitig auf, erzählen sich Anekdoten und lachten schallend – in einer Tour! Es dauerte nur wenige Kilometer, da wurde mir klar, dass der Teufel höchst selbst sie mir gesandt hatte, um mich zu verspotten.
Den letzten Kilometer schob ich mich keuchend und prustend immer näher an das Trio Infernale heran. Als ich Schulter an Schulter mit dem bärtigen Cool-Boy war, stieß ich mit letzter Kraft hervor: „Wie fies seid Ihr denn?! Während ich kurz vor dem Sterben bin, witzelt Ihr hier noch lachend herum!“ Was die drei wieder zu Gelächter anregte und Mecki meinte nur, „Du kannst doch auch noch Reden während des Laufens!“ Ja, die letzte Luft musste aus dem Innersten meiner Eingeweide stammen, ich wusste nicht, woher sie kam. Wie fit kann man sein? Bzw. wie lange muss ich noch wie hart trainieren, um irgendwann auch wie die drei gemütlich, tratschend und lachend mit einer Pace von 5:20 einher laufen zu können?

Ich war auf alle Fälle vorbei an den Dreien und rannte in die Halle auf die Zielgerade , die sich als ein Kreuz und Quer erwies, aber doch irgendwann ins Ziel führte. Ich war vollkommen ausgepumpt und dass es in der Halle gegenüber Draußen mollig warm war, raubte mir zusätzlich Luft. Halb betäubt hörte ich noch, wie ich mit der Laufnummer #140 vom Sprecher genannt wurde – jedoch nicht unter meinem Namen. Auch egal, nachdem man mir den Messchip abgenommen hatte, schleppte ich mich die Treppen hoch an den Sitzplätzen der Tribüne vorbei und verließ die Halle sofort wieder, schnappte mir ein paar Apfelschnitze, einen Becher Tee und machte brav Dehnungsübungen, bevor ich die Heimreise antrat.

Erst daheim, beim Nachlesen der Ergebnisse, stellte ich fest, dass tatsächlich etwas schief gelaufen war bei der Wertung. Unter meiner Startnummer firmierte ein anderer Läufer, ich selbst kam nirgends vor. Nachdem ich dem Veranstalter eine Mail geschrieben hatte, klärte es sich schnell. Mir war fälschlicherweise die Laufnummer eines anderen ausgegeben worden, der dann auf einer Nachnominierten-Nummer laufen musste. Nach dem Lauf ordnete man ihn aber wieder seiner eigentlichen Nummer zu. Kuddelmuddel.

Obwohl ich Dank Startfehler und knackigem Höhenprofil schwer zu kämpfen hatte, war ich am Ende doch zufrieden. Mit der von meiner GPS-Uhr gemessenen Zeit von  53:36 Minuten hatte ich meine schnellsten 10 Kilometer geschafft und meine bisherige Bestzeit von Mitte November um knapp 30 Sekunden unterboten. Und kommenden Samstag geht es gleich weiter, läuft bei mir!

icon_lauf-wettkampf-10

Wettkampf-Ergebnisse

icon_pace

0:54:19
Offizielle Zeit

Platz 268
von 449 Teilnnehmern

Platz 39
von 58 in Altersklasse M45

Aktivität

icon_distanz

10,00 km
Gesamtdistanz

icon_dauer

0:53:36
54:19 offizielle Messung

icon_pace

5:29
min/km Ø-Pace

icon_geschwindigkeit

Ø 11,21 km/h
16,80 km/h max.

icon_maxminspeed

4,58 min/km bei km 7
5,56 min/km bei km 1

icon_hoehe

icon_hoehe-aufwaerts 160 m     icon_hoehe-abwaerts 160 m
533 m max. Höhe

icon_kalorien

858 kCal
Kalorien

icon_herzfrequenz

162 bpm Ø
Max. 178 bpm

Session Infos

11° C
wolkig

11,0
km/h

85
%

Untergrund
Asphalt & Waldwege

Strecke & Diagramme

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Persönliche Rekorde

00:53:23
Schnellste 10 km

Ausrüstung

Asics GT-1000 4 G-TX
Stabilschuh Winter

Detaillierte Daten

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Fotos vom Wettkampf

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4 Comments

  1. Bodo sagt:

    Wo Du schon selbst vom Teufel sprichst: Von Clive Barker gibt es eine Kurzgeschichte „Das Höllenrennen“ im „Zweiten Buch des Blutes“.

  2. Bodo sagt:

    Du kennst Clive Barker nicht? Das ist hart! Clive Barker bekommst Du so: Beginne mit Stephen King, dann schütte einen Lastwagen gute Ideen drauf, eine Schubkarre Fetisch & Sex und lasse das ganze von jemandem schreiben, der gut mit Wörtern und Bildern umgehen kann.

    Ich schick Dir mal 🙂

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